Ladies, unterstützt Euch mehr!

Female Empowerment

Ich liebe Facebook-Gruppen. Bringen sie mich doch mit Menschen zusammen, die ich im realen Leben sehr wahrscheinlich nicht kennenlernen würde, und die nun auf diesem Wege mein Leben auf die eine oder andere Weise bereichern. So manche Abende habe ich mit meinem Laptop und einem Glas Bordeaux im Bett verbracht und mich an unterhaltsamen, interessanten, lustigen, kontroversen und/oder hitzigen Diskussionen beteiligt.

Eine meiner meist frequentierten Gruppen ist eine feministische, die es sich zum Ziel gemacht hat, mehr Bewusstsein für die Ungleichheiten von Frauen und Mädchen in der Gesellschaft zu schaffen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu fördern, was seit Neustem auch unter dem Begriff Empowerment in aller Munde ist.

Vor längerer Zeit gab es mal wieder einen dieser unsäglich sexistischen Artikel in der Bild-Zeitung. Dieses Mal über Mariah Carey. Kea von Garnier, Gruppenmitglied und Betreiberin von dem Blog „Kea schreibt“, hatte dazu einen Beitrag verfasst und diesen mit uns in der Gruppe geteilt. Alles, was es zu dem Bild-Artikel zu sagen gibt, hat Kea gut auf den Punkt gebracht und kann ich so unterschreiben. Natürlich wurde der Artikel fleißig geliked, geteilt und kommentiert. Allerdings poppte ein Kommentar auf, der mich sehr wütend gemacht hat!

Hier mein Aufreger:

„Wer Frau Careys schon fast zwanghaften Darstellungsdrang mal verfolgt hat, mit Einnähen in ihre Kleider, bis zum Bersten ausgefüllten Taucheranzug mit herausquellenden Brüsten, der sollte sich nicht wundern, dass sich darüber lustig gemacht wird… und ein Schundblatt, wie die Bild, es als Aufmacher nutzt. Manche Frauen sind wirklich selber schuld daran, dass sie Opfer von der Bild Zeitung und anderen unsäglichen Gazetten werden, liefern sie doch geradezu die Schlagzeilen selber.“

Ich war schon damit beschäftigt, meine Antwort zu tippen, als ich mich selbst zu Besonnenheit ermahnte, um in Ruhe darüber zu reflektieren.

Ganz klar: So ein Statement ist für mich nicht akzeptabel! Es gibt KEINE Rechtfertigung für solch frauenfeindliche Äußerungen (Pop-Presswurst!vonseiten wem auch immer UND es kann nicht sein, dass eine Frau eine andere Frau so niedermacht und das Opfer beschuldigt bzw. verantwortlich dafür macht (auch unter dem Begriff Slut Shaming bekannt. D.h. die Verlagerung der Schuld auf die Frau soll den Mann oder auch Frau, als zentrale Figur einer sexistischen Weltanschauung, schützen./Quelle: Süddeutsche), dass andere Menschen so abfällig über sie sprechen. Wie eine Teilnehmerin aus dem Chat passend Ninia LaGrande zitierte: „Es ist nie, nie, nie der Minirock schuld!“

„Die Unterstützung einer Frau für eine andere sollte allerdings nicht davon abhängig gemacht werden, was sie trägt, ob sie geschminkt ist, wie ihr Sexualleben aussieht noch sollten ihre Ethnie, ihre Religion und/oder ihre familiäre Situation ausschlaggebend sein.“

Wir kämpfen u.a. dafür, dass eine Frau die Freiheit hat, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Unterstützung einer Frau für eine andere sollte allerdings nicht davon abhängig gemacht werden, was sie trägt, ob sie geschminkt ist, wie ihr Sexualleben aussieht noch sollten ihre Ethnie, ihre Religion und/oder ihre familiäre Situation ausschlaggebend sein. Wir sollten dafür eintreten, dass Frauen sich so anziehen können, wie sie möchten bzw. mit ihrem Körper machen können, was sie wollen, ohne dafür angegriffen und verurteilt zu werden.

Für ein selbstbestimmtes Leben einzutreten und dafür zu kämpfen, dass Frauen davon profitieren, bedeutet auch, dass der Lebensentwurf/Kleidungsstil etc. einer Frau unseren eigenen Vorstellungen nicht entsprechen muss. Das wäre andernfalls anmaßend und hat nichts mit Empowerment und Feminismus zu tun. Es sollte nicht sein, dass von Fall zu Fall entschieden wird, ob eine Frau es verdient hat, dass man ihr wie auch immer zur Seite steht. Eine Frau kann ihre Brüste so viel vergrößern wie sie möchte, sie kann mit so vielen Männern und/oder Frauen Sex haben, ohne als Schlampe/Matratze o.ä. bezeichnet zu werden. Und das kommt nicht nur von Männern. Frauen sind auch groß darin, sich moralisch über ihre Geschlechtsgenossin zu stellen, am besten im Beisein von Männern. Während es für sie aber ok ist, dass ein Mann seine Promiskuität auslebt.

Eine Frau kann sich gegen Kinder entscheiden, ohne dass die Umwelt meint, ihr ihre Weiblichkeit, ihr Frausein absprechen zu dürfen. Sie kann mit mehreren Männern eine Beziehung führen, wenn ihr danach ist. Sie kann ganz auf ihre Sexualität verzichten, ohne als frigide oder alte Jungfer bezeichnet zu werden. Sie kann den konventionellen Weg verlassen und ein Leben abseits der Norm führen. Das ist ihr Recht und alle anderen Frauen sollten sie dabei unterstützen, auch wenn das nicht in allen Punkten das Leben ist, was man selbst leben möchte. Solange wir aber in unseren eigenen Reihen solche Anfeindung und Schuldzuweisung erfahren, solange wird es noch ein langer Weg sein, bis wir bei wirklicher Gleichberechtigung und Empowerment angekommen sind.

Bild: Shutterstock

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