Dating Episode 3: Der Riese und die Erdbeeren

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Als mich Markus damals auf einem meiner regelmäßig frequentierten Datingportale anschrieb, war ich sofort begeistert, denn er entsprach zu 100 % meinem damaligen Beuteschema. Groß sollte er sein! Mindestens 1,90 m, in einem kreativen Umfeld tätig sein, gerne reisen und feiern gehen. So zumindest stand es in seinem Profil, wobei er sogar die 1,90 m übertraf. Wir chatteten kurz, stellten fest, dass wir einen ähnlichen Flow haben, tauschten Bilder aus und sind danach schnell auf telefonieren umgestiegen. Auch dort stimmte die Chemie zwischen uns, und nach einer Stunde fragte er mich, ob wir uns auf einen Drink treffen wollen.

Ich konnte gerade die „Was? So schnell?!“-Aufschreie hören. Ja, so schnell. Denn ich gehöre zu den Menschen, die Spontanität lieben und, wenn möglich, auf ewiges Hin- und Herschreiben, Chatten, Telefonieren verzichten. Wenn es passte, dann auf zu neuen Abenteuern. Nur so vermeidet man es, als Single in seiner Komfortzone gefangen zu bleiben. Hier wünsche ich mir von Euch Ladies einfach mehr Mut, weniger Verkopftheit und Festhalten an alten Regeln, die Frauen sagen, wie sie sich verhalten sollten oder auch nicht, um einen Mann für sich zu gewinnen. Macht Euch frei davon und macht Eure eigenen Regeln. Wenn Ihr Lust habt, einen Mann zuerst anzuschreiben, macht das. Wenn er uncool reagiert, dann hätte es eh nicht gepasst. Schlagt zuerst ein Treffen vor, wenn Euch danach ist. Ihr stellt fest, dass es nicht für etwas Ernsthaftes reicht, aber findet den Mann sexy, dann verbringt vergnügliche Stunden, Tage oder Wochen mit ihm, in dem Wissen, dass dies nicht der Mann ist, mit dem man seine Zukunft planen möchte. Alles fein, solange hier Klarheit für beide herrscht, sonst ist das Drama vorprogrammiert. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun aber zurück zu Markus. Wir hatten uns für 18 Uhr an der Alster verabredet. Ich habe deshalb extra schnell in die Tasten gehauen, damit ich die Zeit nachhole, die ich mit ihm kommuniziert habe, und um schon mal vorzuarbeiten, denn wer weiß, wie der Abend endet?

Um 17.15 Uhr rief er mich an, entschuldigte sich und sagte ab, weil er zu viele Erdbeeren gegessen hatte und nun Durchfall habe. Déjà-vu! Wir erinnern uns an die Geschichte an Silvester und ich fragte mich, ob es an meiner offenen Art liegt, dass Männer meinen, sie müssten mir solche Details und Bilder mit auf den Weg geben. Und wieso immer ausgerechnet Durchfall?!? Ich war natürlich enttäuscht und wünschte ihm gute Besserung. Er wollte sich dann am nächsten Tag melden, wenn es ihm wieder besser gehe und das Treffen nachholen.

Nun sollte man ja eigentlich nicht sofort das Schlechteste annehmen und davon ausgehen, dass die Person wirklich krank ist und nicht lügt. Normalerweise. Aber mein Bauchgefühl hatte sich gemeldet und auf das habe ich oft gehört. Und selten hat es mich getäuscht. Und bei dieser Geschichte stimmte etwas nicht.

Also habe ich mich in mein „Checker-Marie“-Profil eingeloggt und bin damit auf die Seite von Markus gegangen und habe ihm ein „Hey, spannendes Profil“ hinterlassen. Das Checker-Profil ist eines, welches die typischen Merkmale aufweist, die dem Durchschnitts-Mann gefallen. Blonde lange Haare, 1,60 cm, schlank, sportlich, kinder- und tierlieb, berufstätig, Fokus auf Work-Life-Balance, kann kochen, ist etwas kulturinteressiert, sucht jemanden, mit dem sie ihre Freizeit gestalten kann. Keine Ecken und Kanten. Nichts, was irritieren könnte.

Wer nun meint, das sei unfair, dass ich sage, dass der Durchschnittsmann so ein Beuteschema hat: Sprecht mal mit all den wunderbaren Single-Frauen, die genau diesem Profil nicht entsprechen, wie schwer das Datingbusiness für sie ist. Außerdem bestätigten die nicht enden wollenden Mails im Posteingang dieses Profil meine Aussage.

Wie vermutet, hat Markus sofort (18:10 Uhr) angebissen und geantwortet. Als Marie war ich weniger offen, schlagfertig, humorvoll und offensiv. Da spielte ich mehr die Frau, die eher reagiert als agiert, den Mann mehr arbeiten lässt und so das Jagdfieber in ihm weckt. Aber ohne Prinzessinnenallüren und so interessant, dass sich Markus weiter mit mir unterhielt. Bildertausch lehnte ich ab, weil ich so was nicht beim ersten Kontakt mache, genauso wenig wie Telefonnummern austauschen. Er fand das schade, könnte es aber bei all den Betrügern und Lügnern in Netz verstehen. Und dann kam das, worauf ich die ganze Zeit gewartet habe. Er mache so was ja sonst nicht, aber ich sei so eine außergewöhnliche Frau, die sein Interesse geweckt habe, was selten vorkomme und da wollte er fragen, ob wir uns auf einen Drink treffen können!

Natürlich habe ich erst einmal etwas verschreckt gespielt und gefragt, ob er heute meine oder in den nächsten Tagen. „Wenn Du heute Zeit hast, dann gerne heute. Ich habe Urlaub und noch nichts vor.“ Das war drei Stunden nachdem er mir wegen seiner Erdbeeren abgesagt hatte.

Ich: „Bist Du Dir sicher? Hast Du Dich schon von Deinem Erdbeer-Durchfall erholt und bist du wieder fit genug für einen Drink?“
Markus: „Wie meinst Du das? Wer bist Du?“
Ich: „Das solltest Du jetzt aber wissen! Vor drei Stunden hast Du wegen Deiner Erdbeererkrankung abgesagt. Grenzt ja schon an ein Wunder, in so kurzer Zeit wieder genesen zu sein.“

Seine Antwort habe ich nicht mehr abgewartet, bin offline gegangen und habe es mir mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht auf der Couch mit einem Drink gemütlich gemacht. Habe ich je wieder von ihm gehört? Ja. Nicht nur, dass er an dem Abend noch mehrmals angerufen hat, er hat mich ein paar Wochen später auf derselben Plattform angeschrieben und so getan, als wäre das unser erster Kontakt. Vielleicht wäre eine Dating-Excel-Tabelle von Vorteil, damit er nicht die Übersicht verliert.



Veröffentlicht am
10. Juli 2018



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